Wirkung

 

Warum der Film so erfolgreich war, lässt sich wohl am einfachsten mit dem Zeitgeist während seines Erscheinens erklären. Im Film geht es schließlich um den Abnabelungsprozess, das Anderssein als die Elterngeneration, den Generation Gap. Im Grunde ein zeitloses Thema und Stoff für einen Kultfilm.

 

Aber gerade in den 60ern explosiver Stoff. Amerikas Jugend rebelliert gegen den Vietnamkrieg, gegen die Moralvorstellungen ihrer Eltern, gegen das Establishment, gegen ein klassisches Rollenverständnis, gegen geistige Enge. Wie Protest junger Menschen solche gesellschaftlichen Veränderungen hervorrufen kann, mag für jüngere Generationen schwer vorstellbar sein, ist aber leicht erklärbar. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und während der 50er Jahre herrschte in den USA wieder Wohlstand und ein regelrechter Babyboom begann, der dazu führte, dass 1965 41% der amerikanischen Bevölkerung jünger als zwanzig Jahre alt waren[1].

 

Letztlich hält der Film aber nicht nur der kritisierten Gesellschaft mit ihren moralischen Vorstellungen den Spiegel, in Form von Mrs. Robinson vor, sondern auch der revoltierenden Jugend selbst, in dem das offene Ende doch alles im Ungewissen lässt und Ben sich in seinem Aufbegehren gar nicht so weit von seinen Eltern entfernt.

 

Heute wirkt Die Reifeprüfung inhaltlich und stilistisch etwas altbacken und als Kultfilm überbewertet, in damaligen Verhältnissen wirkte der Film jedoch revolutionär. So wurde das erste Mal publikumswirksam und vorurteilsfrei die Beziehung einer verheirateten Frau zu einem jüngeren Liebhaber geschildert.

 

Darüber hinaus wurde in diesem Film das erste Mal gezielt Popmusik eingesetzt, um die Stimmung einer Szene zu transportieren. Der von Simon & Garfunkel eingespielte Soundtrack (The Sound of Silence, Mrs. Robinson und Scarborough Fair) wurde für das Duo zu einem ihrer größten Erfolge.

In Form eines Alfa Romeo unternahm der Film die erste professionelle Produktplatzierung, womit der Film in seiner Finanzierungsstrategie Neuland betrat. Die betreffende Baureihe wird in den USA heute noch vielerorts Graduate Spider genannt.

 

Mike Nichols’ Verfilmung der literarischen Vorlage war 1967 ein so großer Erfolg, dass er das Vorbild für spätere „Coming-of-Age“Komödien lieferte. Dustin Hoffman, der den College-Absolventen spielte, obwohl er bei den Dreharbeiten bereits neunundzwanzig und damit eigentlich schon zu alt war, schaffte damit den Durchbruch zum Weltstar. Er erhielt die Rolle vor allem deshalb, weil er beim Vorsprechen sehr unsicher und nervös wirkte.[2]


 

[1] Englert, Sylvia: Cowboys, Gott und Coca-Cola, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Band 517, S.164 ff.

[2] http://www.geocities.com/Hollywood/8200/graduate.html (23.08.07)