Mike Nichols über Die Reifeprüfung:

“I think it was the story of a not particularly bright, not
particularly remarkable but worthy kid drowning
among objects and things, committing moral suicide by
allowing himself to be used finally like an object or a
thing by Mrs. Robinson, because he doesn't have the
moral or intellectual resources to do what a large
percentage of other kids like him do - to rebel, to
march, to demonstrate, to turn on. Just drowning.

Then finding himself to some extant, finding part of
himself that he hadn't found, through connection
with a girl. Finding passion because of impossibility.
Impossibility always leads to passion and vice versa.
Going from passion to a kind of insanity. Saving
himself temporarily from being an object, through the
passion and insanity. Getting what he thinks he
wanted and beginning to subside back into the
same world in which he has to live, with not enough
changed.
I think that's the story.“[1]

 

Interpretation

 

 

Zur Interpretation des Filmes vor dem Hintergrund unserer Interpretationshypothese sollen einzelne besonders eindrucksvolle Szenen herausgegriffen werden, um daraus eine abschließende Deutung zu erarbeiten.

Die Inflexibilität der traditionellen gesellschaftlichen Konventionen wird besonders markant im Taft Hotel, während des ersten Treffens von Ben und Mrs. Robinson verdeutlicht. Unsicher betritt Ben das Hotel und gibt sich als Gast einer Single-Man Party aus, zu welcher er allerdings nicht eingelassen wird, da sein Name nicht auf der Gästeliste steht. Dabei fällt vor allem die aufgesetzte Heiterkeit, mit der er weg gebeten wird auf.

 

Daraufhin begibt sich Ben in die Bar des Hotels, doch der Kellner beachtet seine Zeichen nicht. Erst als Mrs. Robinson nach den Ober ruft, reagiert dieser sofort. In diesen gesellschaftlichen Kreisen wird Ben offensichtlich noch nicht vollständig als Erwachsener anerkannt und ernst genommen. Und auch er selbst bleibt in diesen traditionellen Konventionen, da er Mrs. Robinson im gesamten Handlungsverlauf siezt.

 

Einige Zeit nach seinem ersten Treffen mit Mrs. Robinson zeigt sich am Taft Hotel die Doppelmoral dieser gesellschaftlichen Kreise, denn als Elaine mit Ben dorthin geht, spricht das Hotelpersonal Ben mit einem wissenden Lächeln als Mr. Gladstone an.

 

Durch das Verhältnis Bens zu seinen Eltern wird der Generation Gap  exemplarisch dargestellt. Während seine Mutter ihren Sohn und ihren Mann liebevoll umsorgt und sein Vater ihn immer wieder ermahnend nach seiner Zukunft fragt, bleibt Ben regungslos. So bleiben seine Eltern im klassischen Rollenbild verharrt, während Ben als typischer junger Mensch orientierungslos ist und einfach anders sein will.

 

Die sich sträubende Jugend wird klar an der Szene, in der Ben sich über Mrs. Robinson hinwegsetzt und Elaine von seiner Affäre beichtet veranschaulicht. So widersetzt er sich der eigentlich überlegenen Mrs. Robinson und übernimmt Verantwortung für seine Taten. Normalerweise hätte er um ein Einverständnis der Eltern bitten müssen, um Elaine später einen Heiratsantrag machen zu können. Nichtsdestotrotz konzentriert sich Ben auch nur auf die ihm bekannten Lebensentwürfe und versteift sich auf den Wunsch, Elaine zu heiraten. Wahrscheinlich fällt ihm gar nichts anderes ein.

 

 

Der Film hält seiner Zeit den Spiegel vor. Sowohl der älteren in ihren moralischen Vorstellungen verharrten Gesellschaft, als auch der jungen aufbegehrenden Generation, die ihre eigenen Ziele dann doch nicht abseits der moralischen Vorstellungen ihrer Eltern verfolgen kann. So lässt der Film den Zuschauer über die Zukunft von Ben und Elaine im Ungewissen und prophezeit damit eine Entwicklung, die viele der protestierenden 68er selbst durchmachen sollten. Tatsächlich leben heute viele derer in ihren Eltern ähnlichen, traditionellen Lebensformen.


 

[1] http://www.geocities.com/Hollywood/8200/graduate.html (23.08.07)